Der Online-Handel in der Schweiz wird immer mächtiger. Laut dem Bundesamt für Statistik ist innerhalb eines Jahrzehnts der Umsatz von einer Milliarde auf über sieben Milliarden Schweizer Franken gestiegen. Dadurch verstärkt sich die Konkurrenz für lokale Detailhändler gewaltig und viele davon fürchten um ihre Existenz. Das soll nicht heissen, dass ein eigener Online-Shop zwingend nötig ist um Konkurrenzfähig zu bleiben. Mehrere Studien haben ergeben, dass lokales Einkaufen bei Konsumenten weiterhin beliebt ist. Aber es ist hingegen essenziell, vom Internet zu profitieren und es im Geschäftsmodell zu integrieren, sei es nur die Vermarktung oder auch der Verkauf im Internet. Wir führen zwei Möglichkeiten auf, wie Detailhändler das Internet nutzen können um mit den Online-Giganten mitzuhalten.

Onlinepräsenz

Eine informative und detaillierte Onlinepräsenz ist im Internet-Zeitalter nicht wegzudenken und dennoch ist die Mehrheit der Schweizer Detailhändler nicht online, weder mit eigener Webseite, noch auf Plattformen. Der heutige Kunde recherchiert vor seinem Einkauf im Internet. Sucht er ein bestimmtes Produkt und erscheint der Händler nicht in den Suchergebnissen, wird er für den weiteren Kaufprozess nicht berücksichtigt. Deswegen ist es wesentlich, im Internet sichtbar zu werden. Informationen über den Händler, das Produktangebot und die Dienstleistungen müssen online sein. Es ist ratsam das gesamte Sortiment inklusive Preis und Verfügbarkeit zu präsentieren, somit bietet sich dem Kunden ein digitales Schaufenster und vielleicht findet er Waren, welche er nicht erwartet hätte und ihn zu Zusatzkäufen anregen.

Ist der Händler über mehrere Kanäle erreichbar, ist ein einheitlicher Webauftritt zu empfehlen. Das heisst einheitliches Branding, Marketing, Preise, Verfügbarkeiten sowie Dienstleistungen, um dem Kunden einen Wiedererkennungswert zu garantieren.

Entscheidet sich der Detailhändler für den Online-Verkauf, könnte er seinen Standort zum Vorteil zu nutzten um lokale Kunden zu akquirieren. Zum Beispiel könnte man Dienstleistungen anpassen und taggleiche Lieferungen anbieten, oder Warenabholungen ausserhalb der Öffnungszeiten ermöglichen. So bietet man lokalen Kunden vorteilhafte Bedingungen und steigert die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den grossen internationalen Online-Händlern.

Lokale Online-Marktplätze

Zur Zeit entwickelt sich im Internet ein neuer Trend im Kampf gegen online Riesen wie Amazon, Ebay oder Zalando: lokale Online-Marktplätze. Ihr Ziel ist es, das Shopping im Netz mit dem in der Stadt zu verbinden, um die ans Internet verlorenen Marktanteile zurückzugewinnen.

Sie bieten lokalen Händlern eine Plattform um ihre Produkte zu verkaufen und können optimale Lieferleistungen erbringen, da sich die Waren bereits vor Ort befinden. Die Deutsche Stadt Wuppertal beweist sich als gutes Beispiel, denn ihre Plattform Atalanda ist seit gut einem Jahr online und erfolgreiche Verbesserungen der lokalen Wirtschaft konnten beobachtet werden. Der Vorsitzende der Stadtinitiative, Thomas Gauss, ist der Meinung, dass grosse Online-Händler bei Kunden sowieso nicht so beliebt seien wie lokale Händler. Dies sei auf Image-Probleme zurückzuführen, unter Anderem wegen schlechten Arbeitsleistungen und Steuerhinterziehungen. Gauss ist davon überzeugt, dass Kunden lokale Plattformen bevorzugten, wenn diese eine entsprechende Alternative bieten würden.

Auch in der Schweiz gibt es seit kurzem eine grössere und eine kleinere lokale Verkaufsplattform. Coop und Swisscom haben sich zusammengeschlossen und gingen vor kurzem unter dem Namen Siroop als Beta-Version online. Der Marktplatz startete eine Pilotphase mit Abholstationen in Bern, Landesweit ist bisher die Lieferung per Post möglich. Zur Zeit werden Produkte aus den Bereichen Elektronik, Pflege, Freizeit und Haushalt angeboten, und werden laufend entsprechend den Kundenbedürfnissen angepasst.

Daneben wurde shopdirekt.ch lanciert. Dieser Verbund zeichnet sich vor allem durch den Servicegedanken aus, um eigene Produkte als Wiederverkäufer oder im Auftrag (Concierge Service) online zu stellen. Damit bietet sich also kleineren Unternehmen kein Budget für einen eigenen Online-Shop, kann der Verkauf über Lokale Online-Marktplätze ein vielversprechender Anfang in den Online-Handel sein.